Sylvester in Calgary
Da ihr schon länger nichts mehr Spannendes von mir gehört habt will ich hier mal wieder einen längeren Bericht schreiben.
An Heiligabend feierte ich mit Simon, Roy, Ilona, Jakob und seiner Freundin Malin. Malin kam aus Schweden um Jakob zu besuchen und mit ihm hier etwas durch Kanada zu reisen. Sie brachte alle möglichen Zutaten mit die man für ein schwedisches Weihnachtsessen braucht und ich kam in den Genuss meines ersten schwedischen Weihnachtsessens. Es gab verschiedene Sorten Hering, ein Kartoffel-Fischauflauf, schwedische Fleischbällchen, Würstchen und Gemüse. Dazu kam das die Schweden während dem Essen Aquavit trinken und so hatten wir alle nach dem Essen auch unsere 4-5 Schnaps intus. Durch das fettige Essen war das aber gut zu verkraften.
Am 1. Weihnachtsfeiertag war ich zum Gans essen bei Andrews Eltern eingeladen. Auch hier war das Essen super. Der Rest der Weihnachtsferien wurde mit schlafen, Partys feiern und Playstation spielen verbracht.
Über Sylvester wollten wir nicht in Kamloops bleiben. Da Andrew früher einige Jahre in Calgary gewohnt hat und einige seiner Freunde immer noch dort wohnen beschlossen wir nach Calgary zu fahren.
Eigentlich wollten wir am 30ten sehr früh morgens los um nach der 8 stündigen Autofahrt noch etwas vom Tag zu haben. Das Problem war das wir dann das Auto einen Tag früher mieten mussten. Das Auto einen Tag länger zu haben und zu bezahlen es aber nicht zu nutzen war uns aber auch zu blöd und wir saßen Donnerstagabend in der Bar und überlegten was wir tun könnten.
Die beste Idee die uns in den Sinn kam war nicht nach Calgary zu fahren sondern die zusätzliche Zeit zu fahren und Sylvester in Los Angeles zu verbringen. Angetrunken wie wir waren machten wir ernsthafte Überlegungen ob das ganze in die tat umzusetzen ist. Die Ernüchterung kam zu Hause als wir die Entfernung nach L.A. checkten. 2400 Km ist dann doch etwas weit für einen 4 Tage Ausflug.
Ganz ungenutzt wollten wir das Auto aber nicht stehen lassen also beschlossen wir trotzdem einen Tag früher zu fahren als geplant und dafür einen Tag in den Rocky Mountains zu bleiben. Da die Mietwagenklasse die wir wollten nicht mehr verfügbar war bekamen wir eine Klasse höher. Wir fuhren also einen 4,6l Ford Crown Victoria. Dasselbe Auto was die Amerikanischen Cops fahren.

Am nächsten Morgen um 11 Uhr holten wir das Auto beluden es mit unseren Habseligkeiten und machten uns auf dem Weg Richtung Canmore. Canmore ist eine kleine Stadt in den Rockies eine gute Stunde von Calgary entfernt. Die Fahrt war kein Problem und wir kamen gegen 9 Uhr in Canmore an. Abends gingen wir erst in eine Bar in der eine sehr gute Band spielte. Danach ging es in eine Disko die aber recht mies war. Uns war das zu diesem Zeitpunkt bereits recht egal. Wir hatten unseren spaß.


Am nächsten Morgen fuhren wir nach Lake Louis. Im Sommer ist Lake Louis einer der schönsten und blausten Bergseen in Westkanada. Als wir dort ankamen war der See allerdings zugefroren. Im Hotel am See konnte man sich Schlittschuhe ausleihen und Schlittschuh laufen. Eiskünstler hatten auf den See eine Art Haus gebaut durch das man durchlaufen konnte.
Sebastian ist noch nie in seinem Leben Schlittschuh gelaufen, also war das DIE Gelegenheit für ihn. Und für das erste Mal stellte er sich gar nicht mal so schlecht an. Rollerbladen halt doch etwas.

Gegen Mittag fuhren wir dann nach Calgary. Wir besuchten erst ein paar von Andrews Kumpels und gingen abends in eine Art Rock Club. Brad, einer von Andrews Freunden war mittlerweile Cheftürsteher im Club und so kamen wir umsonst rein und tranken ein paar Bier aufs Haus. Sonti (der halb Chinese und halb Kanadier war) führte uns dann noch zu einem sehr guten Chinesen und so endeten wir um 3 Uhr nachts, chinesisch essend in Chinatown
Am nächsten Morgen begann dann der Sightseeing Teil. Wir fuhren zum Canada Olympic Parc. Der COP ist ein Hügel direkt am Stadtrand. Gebaut für die Olympischen Spiele 1988 wurde der ganze Hügel mit künstlichen Skipisten überzogen. Neben einer 22 Fuß hohen Halfpipe (ca. 7 m), gab es einige kleinere Sprungrampen, eine kleine Abfahrt und die Skisprungschanzen. Für die große 120 Meter Schanze wollten die Betreiber 7,50 $ Eintritt haben. Uns war das zu viel und wir beschlossen trotz der Betreten Verboten Schilder auf die „kleine“ 90 Meter Schanze zu klettern. Auf den Spuren von Eddie the Eagle ging es die Stufen hoch. Oben angekommen sah man weit unten die Auslaufzone und direkt dahinter die ersten Wohngebiete der Stadt.




Zurück in der Stadt machten wir uns auf den Weg zum Saddledome. Das große Stadion in Calgary ist im Sommer Austragungsort der Stampede, des größten Rodeos der Welt mit über einer Millionen Zuschauern an 10 Tagen im Winter Heimstadion des NHL Teams Calgary Flames. Seit einigen Jahren ist jedes Jahr am 31.12. das Spiel Calgary Flames gegen die Edmonton Oilers. Dieser Battle of Alberta ist vergleichbar mit einem Schalke: Dortmund Spiel. Jeder will hin und die Stimmung ist riesig. Dementsprechend sind auch die Ticketpreise auf dem Schwarzmarkt und wir mussten den Rest des Sylvestertages ohne NHL Spiel verbringen. Calgary hat übrigens 4:2 gewonnen.



Der weitere Weg wurde dann beschwerlich. Der Schnee blieb auf der Straße liegen und die Sicht wurde auch schlechter. Als wir aus Banff herausfuhren und zurück auf den Trans Canada Highway wollten sagte man uns dass er wegen Lawinengefahr gesperrt sei. Wir mussten also auf einen anderen Highway ausweichen und nach Süden fahren.
Auf diesem Highway dann passierte es. Ich versuchte einen LKW zu überholen und der mit Heckantrieb ausgestattete Crown Viktoria den wir fuhren brach hinten aus. Wir legten eine blitzsaubere 360° Drehung hin und fanden uns im vollgeschneiten Graben wieder.
Uns war nichts passiert aber das Auto bekamen wir nicht wieder raus. Andrew trampte ins nächste Kaff um einen Abschlepper zu organisieren. In den ersten 20 Minuten in denen wir warteten hielten ca. 25 Autos an und fragten ob bei uns alles OK sei. Wieder einmal zeigte sich wie freundlich und hilfsbereit die Kanadier sind. Eine Stunde später (was für kanadische Verhältnisse unheimlich kurz ist) kam der Abschleppwagen und zog uns aus dem Graben. Auf dem mittlerweile auch wegen den Wetterverhältnissen gesperrten Highway fuhren wir dann ins nächste Kaff Radium. Dort fragten wir an der Tankstelle wie wir am besten nach Hause kommen. Dort sagte man uns dass heute Nacht alle Highways in der Gegend gesperrt seien und so mussten wir in Radium übernachten. Wir suchten uns also ein Motel dort und blieben gefrustet und müde im Motelzimmer.
Am nächsten morgen waren die Lawinen alle weggesprengt und die Straßen wieder geräumt. Der Fahrt nach Hause stand also nichts mehr im Weg.
Das Auto hatte übrigens ein Beule an der Fahrertür und wir machten uns darauf gefasst die 300$ Selbstbeteiligung der Versicherung bezahlen zu müssen. Als wir das Auto dann zurückbrachten bemerkte zunächst niemand den Schaden. Am Nachmittag aber rief die Autovermietung uns an. Der Vermieter sagte uns es gäbe da ein Problem mit dem Auto. Angeblich wären da 4 Steinschläge in der Windschutzscheibe. Unglaublich aber Wahr. Keiner sah die Beule an der Fahrertür aber sie wollen uns wegen der Windschutzscheibe drankriegen. Was da jetzt genau bei rauskommt kann ich noch nicht sagen. Wir werden sehen.
Alles in allem war es ein Supertrip und jede Menge spaß. Calgary ist sehenswert und die Rockies sind sagenhaft und weit mehr beeindruckend in Wirklichkeit als man es auf den Bildern sehen kann.





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