Saturday, November 25, 2006

Langes Wochenende auf Vancouver Island

Vom 8. bis 13. November war ich auf Vancouver Island. Montags der 13. war „Remembrance Day“ ein Feiertag in Kanada, an dem allen im Krieg gefallenen gedacht wird. Ursprünglich wollten Roy, Mike, Chris, Tyler und Jakob mit dem Auto von Mittwoch bis Montag fahren. Eva, Pim und Ich wollten uns auch ein Auto mieten. Gedacht war das jeder tagsüber für sich bleibt und man sich abends trifft um wegzugehen. Leider sind die Autovermieter in Kanada sehr kleinlich was Fahrer unter 25 Jahre angeht. Entweder sie vermieten einem gar kein Auto oder so überteuert, wegen all der extra Versicherungen, dass man es mit gutem Gewissen Wucher nennen konnte. Also beschlossen wir nach einigem hin und her mit dem Bus zu fahren auch auf die Gefahr hin evtl. nicht alles zu erreichen und zu sehen. Es ist schließlich immer noch besser evtl. etwas zu verpassen als gar nicht zu fahren.

Die anderen im Auto beschlossen erst am Freitag zu fahren, weil Jakob noch eine Zwischenprüfung am Donnerstagabend hatte.

Wir nahmen den Greyhound Mittwochnacht.

Der Bus fuhr um halb 2 Nachts los und schlafen im Bus ist nicht so einfach da auch im November die Klimaanlagen in den Bussen angeschaltet sind und es ständig von irgendwo kalt zieht. Mein Mittel gegen Schlaflosigkeit im Bus war recht simple aber effektiv. Einfach vorher mit ein paar Leuten in die Kneipe und dort den ein oder anderen Pitcher getrunken bis es losgeht. Eva kam auch mit. Pim blieb zu Hause. Mein Konzept ging voll auf. Um halb 2 fuhr der Bus in Kamloops ab Richtung Vancouver und ich schlief eigentlich die ganze Busfahrt über. In Vancouver wurde ich geweckt weil wir umsteigen mussten. Ich trottete den anderen beiden einfach hinterher, setzte mich in den nächsten Bus und schlief weiter.

Eine Stunde später kamen wir in Tsawassen an. In Tsaswassen fuhr der Bus auf die Fähre nach Vancouver Island. Die fahrt mit der Fähre dauerte gut 1 ½ Stunden und ich sah einen der schönsten Sonnenaufgänge in meinem Leben. Pim und Eva schliefen derzeit unter Deck! Ich sagte ja dass mein Konzept aufging.



Gegen 8 Uhr morgens kamen wir in Nanaimo an. Eine Kleinstadt an der Ostküste von Vancouver Island. Wir hatten dort einen zweistündigen Aufenthalt bis der nächste Bus weiterfuhr nach Tofino. Während wir in meiner Geschichte in einem kleinen Cafe am Hafen von Nanaimo frühstückten habt ihr die Zeit für ein paar Fakten über Vancouver Island.

· Größe: 454 km Lang, 100 km breit

· Fläche: 32.134 km² zum Vergleich: Belgien 32.545 km²

· Einwohner: ca. 750.000 davon 330.000 im Großraum Viktoria


Um 10 Uhr verließ der Bus Nanaimo in Richtung Tofino. Die Fahrt nach Tofino war eine Mischung aus Faszination und Langeweile. Die Straße von Nanaimo nach Tofino nennt sich Highway ist aber alles andere als eine Autobahn. Viel näher kommt dem die Bezeichnung Landstraße. Viele viele Kurven, bergauf, bergab und das über gute 5 Stunden. Manchmal sieht man aus dem Busfenster und bekommt man einen sagenhaften Blick über ewige Wälder die aussehen als hätte nie ein Mensch einen Fuß hineingesetzt und wer weiß, das Land ist so groß vielleicht stimmt das sogar. Manchmal sieht man aus dem Busfenster und durch die Bäume schimmert ein Bergsee so klar und tief wie gemalt. Manchmal sieht man aus dem Busfenster und man sieht gigantische karge Steilhänge und an ihrem End schneebedeckte Gipfel von Bergen die in diesem Augenblick irgendwie unwirklich erscheinen weil man vorher durch grüne Regenwälder gefahren ist und sich eine baumlose Landschaft überhaupt nicht mehr vorstellen kann. Das im Übrigen, ist es auch was man zwischen diesen sagenhaften Momenten macht. Man sitzt im Bus, sieht aus dem Fenster und erkennt nichts anderes als Bäume. Viele Bäume. Einer wie der andere und der einzige Anhaltspunkt das man sich überhaupt fortbewegt ist die kurvige Straße der man folgt.









Diese Fahrt dauerte gute vier Stunden, so dass wir gegen halb 3 endlich Tofino erreichten.

Mit unseren Rucksäcken beladen machten wir uns auf, eine Unterkunft für die Nacht zu suchen. Wir sahen schnell ein Bed & Breakfast Schild an der Straße und folgten diesem. Wir klopften an der Tür und ein Typ in unserem alter machte uns die Tür auf. Er zeigte uns die Schlafzimmer und für $20 die Nacht hatten wir ein super Schnäppchen gemacht. Nachteil war nur das wir keine 2 Nächte bleiben konnten weil er für das Wochenende ausgebucht war.

Den Rest des Nachmittags wanderten wir an Tofino’s berühmten Surferstränden entlang und sahen zum ersten Mal direkt Teile des so berühmten kanadischen Regenwaldes.




Am Abend waren wir erstens zu Müde um groß was zu Unternehmen und zweitens ist Tofino ein kleines Dorf in dem nicht viel los ist an einem Donnerstagabend wenn nicht gerade Hochsaison im Sommer ist. Also guckten wir nur ein paar Filme bei Darcy. Ach ja Darcy war der Name das Typs bei dem wir schliefen.

Am nächsten Morgen fragten wir Darcy wo und bei wem man am besten eine „Whale watching Tour“ machen könne. Er telefonierte mit einem der Whale-watching-Touren- Anbietern die er kennt und der sagte das das klar geht. Wir gingen also morgens zu dem Typ, ich weiß seinen Namen leider nicht mehr, und fragten ihn ob er uns mit raus
nimmt. Er sagte dass das Wetter
grade noch gut genug sei um raus zu fahren.


Wir 3 fuhren also mit ihm hinaus zwischen den kleinen Inseln durch Richtung offene See. Die Wellen waren nicht sehr hoch aber das Boot schaukelte doch ordentlich. Weiter draußen bekamen wir dann auch unsere ersten Wale zu sehen. Wir sahen einige Grauwale die leider recht schwer zu Fotografieren sind weil sie keine deutlich erkennbare Rückenflosse haben. Daher leider keine guten Bilder aber die Waltour an sich war unglaublich.





Als nächsten Punkt unseres Tagesausfluges waren die heißen Quellen nördlich von uns. Der Skipper wollte mit uns wieder durch die so genannte Inside Passage fahren aber wir fragten ihn ob er außen herum über die See fahren kann wo die großen Wellen sind. Er sagte das ginge klar wenn keiner von uns Seekrank würde und wir fuhren weiter raus. Die Anfangs beim Wale beobachten noch kleinen Wellen wuchsen ständig an je weiter wir raus fuhren. Als wir weit genug draußen waren hatten wir Wellen von über 4 Metern Höhe. Unser kleines Boot und damit auch wir wurden ordentlich durchgeschüttelt. Manche Wellen fuhren wir hoch und fielen am anderen End herunter das das Boot zeitweise in der Luft war. Besonders großen oder unerwarteten Sprüngen quittierte Eva denn mit einem erschrockenen: „Geh, bist deppert!“ in Richtung Käpt’n. Andere Wellen erwischten wir nicht so glücklich und fuhren in sie hinein wie in eine Wand. Nach einer halben Stunde Höllenritt, die so viel Spaß gemacht hat das ich alleine dafür schon Geld bezahlt hätte, kamen wir an einem kleinen Steg an.




Der Skipper erzählte uns, dass wir einfach dem hölzernen Pfad folgen sollten und nach einer halben Stunde durch den Regenwald kämen wir an die heißen Quellen. Gesagt getan.

Was wir im Regenwald dort sahen übertraf aber alle unsere Erwartungen. Bäume mit über 4 Meter Durchmesser säumten den hölzernen Pfad. Überall wuchsen verschiedene Moose und Farne. Alles war so grün und irgendwie lebendig. Es regnete nicht wirklich stark aber Wasser tropfte überall von den Bäumen und Sträuchern auf einen herunter und machte das Regenwald feeling perfekt.










Nach circa einer Stunde Fußweg voller staunen, Eindrücke auf sich wirken lassen und fotografieren kamen wir an den heißen Quellen an.







Völligst naturbelassen kam das Wasser aus dem Berg, sammelte sich in kleinen und größeren Pfützen, die groß und vor allem tief genug waren um darin zu sitzen oder liegen, lief weiter über Steine und Grund und einen kleinen circa 3 Meter hohen Wasserfall hinunter. Unten sammelte es sich wieder und lief direkt ins Meer das Zeitgleich mit voller Wucht gegen die Felsen schlug. Eine kleine hölzerne Umkleidekabine lud ein in den Quellen zu baden. Das Wasser selber war an den Stellen wo es aus dem Boden trat sogar zu heiß um darin zu baden. Aber schon ein paar Meter weiter hatte es durch Außentemperatur und kaltem Boden ein paar grad an Wärme verloren, so dass es echte Badewassertemperatur hatte.











Der Weg zurück ging etwas schneller da wir kaum mehr Fotos machten und unser Führer uns 2 ½ Stunden Zeit gab um alles zu erkunden bevor wir wieder ablegten. Die Rückfahrt machten wir durch die ruhigere Innen Passage. Zwischen den Inseln sahen wir einige Seelöwen und Weißkopf Seeadler.








Zurück im sicheren Hafen von Tofino suchten wir uns eine neue bleibe für die Nacht. Ein anderes B & B viel uns auf und wir konnten die Nacht dort bleiben. Leider gab es kein Frühstück sondern nur ein Bett also machten wir uns am nächsten Morgen selber etwas in der Küche die wir benutzen konnten und machten uns danach auf den Weg zum Bus nach Viktoria.

Ach ja der Bus. Dieselbe Strecke nach Nanaimo zurück und von dort aus noch mal eine ordentliche fahrt bis Viktoria. Die fahrt dauerte alles in allem 7 Stunden. Wir kamen also erst abends um fünf Uhr in Viktoria an. Auch an diesem Tag war die erste Aufgabe eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden. Auch diesmal fanden wir sehr zügig was. Schräg gegenüber von der Greyhound Station war ein Motel. Die Lage war ziemlich gut, da zentral in der Innenstadt und es sah nicht sehr nobel aus. Optimal für uns. Zentral und billig.

Nachdem wir dort eingecheckt hatten erkundeten wir die Innenstadt oder wie die Amis sagen Downtown.









Viktoria ist eine der schönsten Städte in Kanada. Die Architektur ist nicht wie die in Vancouver sehr modern mit viel Stahl und Glas. Vielmehr bekommt die Stadt durch die alten gemauerten Gebäude ein etwas europäisches Flair. Viktoria selber hat im Kern rund 75 000 Einwohner und ist die Hauptstadt von British Columbia. Das etwas an den US Kongress erinnernde Gebäude ist das Regierungsgebäude von B.C.. Direkt gegenüber liegt der Inner Harbour an dem all die kleinen Boote und Yachten liegen.












Nach unseren sehr guten Erfahrungen mit dem Essen in Chinatown von Vancouver beschlossen wir es auch in Viktoria zu versuchen. Auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Sehr gutes Essen zu Preisen die man sonst vergeblich sucht in der Stadt.





Danach sind Eva und Ich noch in ein Pub gegangen in dem sie sehr gute Live Musik gespielt haben. Pim war müde und wollte nicht mitkommen. (Hast echt was passt Junge.) Die Band die im Pub spielte war spitze und spielte alles von alten Bryan Adams Songs bis hin zu Liedern von AC/DC und Metallica.




Am nächsten Morgen regnete es wieder aus Strömen. Wir beschlossen ins B.C. Museum zu gehen. Das Museum zeigte die Geschichte von British Columbia und den Indianischen Ureinwohnern von Kanada. Das Museum war OK aber nichts extrem außergewöhnliches was man unbedingt mitnehmen sollte wenn man in Viktoria ist, aber es war gut um einen verregneten Morgen zu überbrücken.




Nach einem ordentlichen Mittagessen in der „Old Spagetti Factory“ lies der Regen nach und wir konnten den Rest des Tages die Stadt bei Tag erkunden. Viktoria’s Innenstadt hat sehr viele kleine Geschäfte und Läden die es alle zu durchstöbern galt.




Besonderheiten waren unter anderem der Innenhof ähnliche „Market Square“, der ganzjährig geöffnete Christmas Shop in dem man wirklich ALLES kaufen konnte was man sich an Weihnachtsdekoration nur Vorstellen konnte oder eine Glasbläserei in der man oben auf der Galerie stehen und den Glasbläsern bei der Arbeit zusehen konnte.



Am Montagmorgen machten wir uns auf Richtung Saltspring Island. Eine der südlichen Golf Inseln zwischen Vancouver Island und dem Festland. Saltspring Island ist die größte der Gulf Islands. Selbst die größte Insel ist nur 29 Km lang und 14 Km breit. Auf der gesamten Insel leben weniger als 10.000 Menschen.



Mit der Fähre fuhren wir von Swartz Bay nördlich von Viktoria auf die Insel. Dort angekommen wollten wir mit dem Bus von der Fähre nach Ganges, der einzigen Stadt auf der Insel. Wir fragten eine Frau von wo de Bus fährt. Sie lachte nur und erzählte uns das es keinen Bus gibt auf der Insel, aber alle kein Auto hatten trampen würden. OK, dann eben wie die Einheimischen reisen. Trampen war auch kein Problem wir wurden relativ schnell mitgenommen in die Stadt.



Wir Frühstückten zuerst in Ganges und machten uns dann auf den Weg zu zwei Seen ein paar Kilometer entfernt. Der Weg dorthin war landschaftlich nichts Besonderes und auch die Seen hatten keine Ufer an denen man entlang laufen konnte, daher war das ganze etwas enttäuschend zu dem es den ganzen Tag über regnete. Zurück zur Stadt wollten wir nicht laufen also trampten wir wieder zurück.







Nach einem sehr guten Mittagessen wanderten wir wieder los zum zweiten Hafen der Insel um unsere Fähre auf’s Festland um 15:30 Uhr zu erreichen. Gegen Mittag lies der Regen nach und die Sonne kam sogar raus was der Stimmung aller gut tat.






Die Fähre zurück brauchte recht lange da sie auf zwei anderen Golf Inseln einen Zwischenstop machte bevor sie in Tsawassen ankam. In Tsawassen erfuhren wir dann das kein Greyhound oder wie wir ihn mittlerweile nennen Gayhound nach Vancouver fuhr. Wir mussten also eine knappe Stunde warten und mit einer Art Stadtbus nach Vancouver fahren. Diese Verzögerung war nicht eingeplant in unseren Zeitplan und wir wussten nicht genau wann der Bus von Vancouver nach Kamloops fuhr und ob wir ihn rechtzeitig erreichen würden. Besonders Eva wurde ziemlich nervös in dieser Zeit weil sie am nächsten Morgen eine Zwischenprüfung hatte bei der sie auf keinen Fall fehlen dürfte. In Vancouver angekommen nahmen wir den Skytrain zum Bus Terminal. Wir kauften unsere Tickets und 15 Minuten später verlies der Bus mit uns Vancouver. Um halb Zwei nachts kamen wir dann ziemlich Müde von den letzten Tagen in Kamloops an.

Vancouver Island war alles in allem ein extrem cooler Trip und jeder der in British Columbia Urlaub macht sollte auf jeden Fall ein paar Tage auf der Insel verbringen. Mit dem Bus würde ich die Reise aber niemandem empfehlen. Man braucht sehr viel länger um von A nach B zukommen und es ist nicht möglich dort anzuhalten und Pausen zu machen wo man gerne möchte. Auch Mitte November zu fahren ist nicht unbedingt die beste Zeit da es langsam kälter wird. Vancouver Island ist zwar sehr sehr mild für kanadische Verhältnisse aber trotzdem ist man an einem warmen Frühlingstag besser dran. Für mich war dieses Verlängerte Wochenende mit das beste was ich bisher von Kanada gesehen habe und leider auch mit das teuerste was Ich bislang erlebt habe, aber es war jeden Cent Wert.

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